Drei Mann in einem Boot - vom Hunde ganz zu schweigen. (Kommentiert) (German Edition) by Jerome Jerome K

Drei Mann in einem Boot - vom Hunde ganz zu schweigen. (Kommentiert) (German Edition) by Jerome Jerome K

Author:Jerome, Jerome K. [Jerome, Jerome K.]
Language: eng
Format: epub
Tags: General Fiction
Published: 2012-03-03T23:00:00+00:00


Kapitel 10

Harris und ich fingen an, zu befürchten, dass die Bell Weirschleuse auf die nämliche Art verschwunden sein dürfte wie die Wallingfordschleuse. George hatte uns bis oberhalb Staines hinaufgeschleppt; dort hatten wir das Boot zu schleppen übernommen; es deuchte uns, als ob wir fünfzig Tonnen zu ziehen hätten und vierzig Meilen stampfen müssten.

Es war halb acht Uhr, als wir es endlich hinter uns hatten; dann stiegen wir auch ein und ruderten uns dicht an das linke Ufer, indem wir uns nach einer Stelle zum Anhalten umschauten.

Wir hatten zuerst nach der Magna Charta-Insel schiffen wollen, einem freundlichen, hübschen Fleck im Flusse, wo sich dieser durch ein sanftes grünes Tal hindurchschlängelt; dort wollten wir zwischen einer der pittoresken Einfahrten, die sich zwischen dem Ufer befinden, kampieren.

Aber seltsam, wir hatten nun bei weitem nicht mehr solche Sehnsucht nach dem Pittoresken, wie wir sie früher am Tage empfunden hatten. Ein bisschen Wasser zwischen einer Kohlenbarke und einem Gaswerk würde uns für diese Nacht vollkommen genügt haben. Wir verlangten jetzt nach keiner Szenerie mehr. Wir verlangten nach unserem Abendessen und dann nach der Nachtruhe. Trotzdem ruderten wir vollends hinauf bis zu einem Orte namens »Picnic Point« und hielten an einem recht angenehmen Eckchen unter einem Ulmenbaum, an dessen hervorragenden Wurzeln wir unser Boot befestigten.

Dann gedachten wir unser Abendessen zu bereiten (den Fünfuhrtee hatten wir uns, um Zeit zu gewinnen, geschenkt), aber George sagte, nein, wir täten besser, erst die Leinwand aufzuspannen, ehe es ganz dunkel werde. Dann, meinte er, sei unsere ganze Arbeit getan, und wir könnten uns mit leichtem Herzen zum Essen niedersetzen.

Aber diese Leinwand aufzuwickeln, kostete mehr Arbeit, als einer von uns sich hatte träumen lassen. In abstracto sah sich die Sache so einfach an! Man nimmt fünf eiserne Bogen, riesigen Krocketringen ähnlich, befestigt sie an dem Bord des Boots, zieht die Decke darüber her und knüpft sie unten fest; das erfordert höchstens zehn Minuten, dachten wir.

Aber das war eine gewaltige Unterschätzung.

Wir stellten die Bogen auf und steckten deren Enden in die dafür angebrachten Augen. Wer dächte, dass dies ein gefährliches Geschäft sei? Aber wenn ich jetzt daran zurückdenke, so wundere ich mich, dass überhaupt noch einer von uns am Leben ist, um die Geschichte zu erzählen. Das waren keine Bogen, das waren Teufel!

Zuerst wollten sie nicht in die Augen hineinpassen; wir mussten mit den Füßen darauftrampeln, mit dem Bootshaken daraufstoßen und hämmern, und nachdem sie endlich darinsteckten, zeigte es sich, dass sie nicht in den richtigen Augen steckten und wieder herausgezogen werden mussten.

Aber sie wollten nicht wieder heraus, und zwei von uns strengten sich fünf Minuten lang vergeblich an; plötzlich aber sprangen sie heraus und versuchten, uns ins Wasser zu werfen und zu ertränken.

Sie hatten Scharniere in der Mitte, und wenn wir nicht aufmerkten, so kneipten sie uns an delikaten Teilen des Leibes, und während wir auf der einen Seite des Boots mit den Bogen uns abmühten und sie zu überreden suchten, ihre Pflicht zu tun, kamen sie auf der anderen Seite wieder hinterlistig heraus und schlugen uns an die Köpfe.

Nun, zuletzt brachten wir es doch zuwege, und dann war weiter nichts zu tun, als die Decke darüber zu ziehen.



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